Briefwechsel

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Briefwechsel zu Buch von Han Suyin und zur Frage des „Personenkults“ unter Mao

Rote Fahne Redaktion an einen Korrespondenten, 31.3.2026

Von RF-Redaktion

Lieber Genosse,

vielen Dank für Deinen Artikel zu Han Suyin.

Wir hatten bei seiner Beurteilung selbst Unsicherheiten und entschuldigen uns für die lange Dauer der Rückmeldung.

Von der Redaktion her stimmen wir einer Veröffentlichung bezogen auf die dialektische Würdigung von Han Suyin zu. Wir halten es aber nicht für richtig – und auch für einen Artikel zu Han Suyin nicht notwendig – hier so weitreichende Ausführungen zur Frage eines Personenkults um Mao zu machen.

Es ist richtig, auch großartige Marxisten-Leninisten wie Mao Zedong historisch und kritisch-selbstkritisch zu würdigen. Ich stimme uneingeschränkt deinem Satz zu:

»Maos Autorität im Volk zu diesem Zweck einzusetzen war notwendig und richtig, ein Personenkult dagegen widerspricht den Prinzipien des Sozialismus.«

Die dann von dir vorgebrachten weitgehenden Thesen sind zu einem wesentlichen Teil nicht ausreichend belegt.

Du schreibst, dass der Personenkult »in der Kulturrevolution einen Einfluss hatte und von manchen als taugliches Mittel gesehen wurde«.

Konkret gehst Du auf Lin Biao und seine Clique ein, die eine »besonders exzessive Organisierung eines Mao-Personenkults« betrieben haben sollen. Das hieße aber auch, dass es allgemein einen Personenkult gegeben hätte.

Weiter schreibst Du, dass sich »auch marxistisch-leninistische Kräfte … teils dieses Mittels« bedienten, aber ohne Beleg. Ohne exakte Analyse können wir aber in der Roten Fahne nicht so weitgehende Aussagen treffen.

Bisher hat sich Willi Dickhut 1974 im »Briefwechsel zu Fragen der Theorie und Praxis des Parteiaufbaus« so zu der Hervorhebung von Mao Zedong geäußert:

»Die Hervorhebung Maos als großer Vorsitzender und Steuermann während der Großen Proletarischen Kulturrevolution und zur besseren Entlarvung und Bekämpfung der inneren Feinde war zweckmäßig, ist aber heute nicht mehr notwendig, und Mao wünscht es selber nicht.« (Briefwechsel über Fragen der Theorie und Praxis des Parteiaufbaus, S. 82)

Am Ende stellst Du einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen einem allgemeineren »Personenkult« und der Restauration des Kapitalismus her:

»Wie schnell und relativ lautlos die Restauration des Kapitalismus nach dem Tod Mao Zedongs vonstatten ging, beweist seine Untauglichkeit.«

Der Personenkult ist – in der Arbeiterbewegung - aber eine revisionistische Methode. Stefan Engel hatte dazu 2002 bei der Gedenkveranstaltung für Willi Dickhut ausgeführt:

»Der revisionistische Personenkult wird von den modernen Antikommunisten auch gerne als Argument verwendet, um Vorbehalte gegen den Marxismus-Leninismus und die revolutionäre Arbeiterbewegung zu schüren. Es ist dringend erforderlich, die Methoden des Personenkults als antimarxistisch zu entlarven. Die kultmäßige Erhebung führender Persönlichkeiten zu einer idealisierten »Lichtgestalt« ist eine durch und durch bürgerliche beziehungsweise kleinbürgerliche Methode, die in der revolutionären Arbeiterbewegung kein Platz hat.«

Ich halte es nicht für richtig, solch weitgehenden Einschätzungen in der Roten Fahne zu treffen; hier geht es um Fragen der Festsetzung und Weiterentwicklung der ideologisch-politischen Linie, die wir zunächst im System des REVOLUTIONÄREN WEG klären sollten.

Wir stellen diesen Briefwechsel daher auch der Redaktion REVOLUTIONÄRER WEG zur Verfügung.

Herzlichen Gruß!